Montag, 29. Dezember 2008

my new idol

Mein Großcousin idealisiert die Schlagersängerin Nicole und den blinden Holländer mit den erfrischend unbedachten Äußerungen über den Nationalsozialismus und seine Stars, Johannes Heesters. Er (nicht Joopi) teilt das Bett mit einer riseigen Minnie Mouse. Meine Großmutter väterlicherseits betritt eine weihnachtlich geschmückte Wohnstube den riesigen Weihnachtsbaum in der Ecke völlig ignorierend und fragt direkt nach dem Eierlikör. Ungefähr 15 mal. Solche genetischen Damoklesschwerter lassen sich ganz gut bei einer Dosis Grey Gardens überdenken:



Mal davon abgesehen, dass der Fakt, dass man für Verwandte nichts kann wohl an keinem besseren Testimonial als die das verwahrloste Haus ihrer Tante und ihrer Cousine schrubbenden Jackie O. demonstriert wird, hat mich dieser Film einen Blick in meine Zukunft werfen lassen, geprägt von Gezeter, Tanz und Wahnsinn, dessen Ausmaß man nicht mit Sicherheit bestimmen kann. Insofern geht also alles weiter wie bisher.




Sonntag, 21. Dezember 2008

Not saying it is your fault.

Weihnachten: Das Fest des Völle- und Schuldgefühls, der Selbstzensur, des stummen Selbsthasses und des Selbsthasses wegen des Selbsthasses, weil man an Erwartungen scheitert, die man selbst zu Recht ablehnt: Konfrontiert mit Menschen, die sich paarweise ihre Relevanz für die Menschheit versichern müssen, diese Scheinverträge teilweise noch mit Nachwuchs besiegeln, der sie dann 20 Jahre an ein Leben bindet, das sie nicht führen wollen, in Beziehungen, deren Ende sie gleichzeitig herbeisehnen und fürchten, weswegen sie ledige Großstädter als Projektionsfläche alberner Fantasien koksender homosexueller Drehbuchautoren à la "Sex and the City" missbrauchen. Vielleicht wirds aber auch ganz nett. Die Rede zu meinem akademischen Stillstand habe ich schon vorbereitet, ich bringe sie ja nun aber auch schon seit Jahren zur Aufführung. Wichtig ist die glaubhafte Vermittlung eines ernsthaften Glauben daran, dass Studium im nächsten Jahr auch wirklich zu beenden. Keine Ahnung, warum das allen so wichtig ist. Sollte ich vielleicht mal fragen. Genau wie ich dieses Jahr frage, wie es denn bei ihnen im Bett so läuft wenn ich gefragt werde, warum ich ohne Partner angereist bin. Indiskretion mit Tumbheit beantworten: Das ist sicherlich nicht sehr Namasté. Im Grunde genommen denke ich auch, dass ich eher so agieren werde, auch und vor allem was den Dialekt angeht, dem ich zweifelsohne nach dem Fest nie wieder entkomme:




Ich weiß auch nicht, was mich mehr treffen würde: Idiotische Fragen gestellt zu kriegen oder totales Desinteresse. Ist ja auch nicht so, dass es irgendwas dazwischen gäbe.
Ich hoffe auf das Dazwischen und bin dementsprechend das naive Blondchen, als dass ich mich seit einem Jahr mittels Oberkopfsträhnchen verkleide. Zumindest das verbindet mich noch mit meiner Heimat Mitteldeutschland, wo Yoga für ein Milchprodukt gehalten wird. Was ich irgendwie auch wieder gut finde.

Dienstag, 16. Dezember 2008

shut up, christmas.

Weihnacht in Berlin: Von Schnee keine Spur, dafür magische Vervielfachung der Kinderwagenarmaden, die sich offensichtlich vom Prenzlauer Berg immer weiter Richtung Süden vorarbeiten, nicht ohne Erwachsenenfüße zu zermalmen und mit dem Geschrei der Insassen offenbar das Hells Angels Nachwuchscasting zu gestalten. Missmutige Mitbewohner, die ihren Verwandten nur die frohe Botschaft verkünden: "Nüscht guck ich. Meine Fresse!". Außerdem spinnt das Internet, das seitdem René Obermann persönlich uns eine Vertragsverlängerung um ein Jahr unterjubelte, sowieso den Zauber des permanenten Ablenkungspotenzials eingebüßt hat. Was Obermanns Involviertheit in den Vorgang angeht, so kann ich mir natürlich nicht ganz sicher sein, möchte mir aber selbst gerne einreden, dass das Verarschen ausgewählter ostdeutscher Privatkunden seine Rache ist für Maybrit Illner. Außerdem ist die just auf dem Weihnachtsmarkt betrunken erstandene Paillettenmütze nach nur einem Tag gerissen, und das ausgerechnet, als ich sie am einzigen Ort trug, der dies verlangt: Den Wühlmäusen am Theodor Heuss Platz, im Didi Hallervorden-Land zwischen Avus und Masurenallee, untypischerweise für das Viertel NICHT in einem Naziprachtbau untergebracht. Aus Unmut muss ich schon den ganzen Tag die hervorragenden Glühweinschnitten der Mitbewohnerin essen, begleitet natürlich von Glühwein. Das soll mich vergessen machen wie ich wie ein explodiertes Kissen aus weißen Pannesamt den Macarena und andere Verbrechen tanzte, nicht ohne dabei der versammelten Kollegenschar mit dem Kunsthaar zu winken. Es ist doch interessant, wie Fotografien das Fehlen von Ganzkörperspiegeln, Modezeitschriften, abgetrennte Größenetiketten in Bekleidungsstücken und andere Taktiken des Selbstbetrugs obsolet machen. Mit anderen Worten: Ich konsumiere um zu vergessen, dass ich nicht makellos bin, was mich noch viel weniger makellos macht. Das nennt man auch Schizophrenie. Immerhin konnte ich im Laufe des Abends den unbestritten schönsten Mann der Firma dazu zwingen, mit mir Discofox zu "Time of my life" zu tanzen, wobei wir die Hebefigur wohlweislich ausließen. Penetranz statt Eleganz: Ich bin die Andrea Ypsilanti der Weihnachtsfeiern.

Freitag, 12. Dezember 2008

Alle Jahre wieder: Danke für nichts.

Jede Party, die mich als "Event" ausgibt, hat in meinen Augen schon verloren bevor sie den Gratisschnaps ausgepackt hat. Mit anderen Worten: Nachdem es mir letztes Jahr tatsächlich gelungen war, die Firmenweihnachtsfeier als die unklare Mischung aus Arbeits- und Freizeit zu missbrauchen, als die sie angedacht ist und mich dementsprechend erst auf Firmenkosten abzuschießen und dann völlig wahnsinnige Standardtanzvariationen mit Kollegen, die nicht nur mir im Nachhinein peinlich waren, hinzulegen, wird dieses Jahr mich dafür (unter) bezahlen, mich solchermaßen zum Firmengespött zu machen:




Wie es aussieht, werde ich genau jenen verhärmten Gesichtsausdruck zur Schau tragen, wofür mich niemand, der die Topfkratzerqualität der Perücke erkannt hat, zur Verantwortung ziehen kann. Als ich ausgewählten Teilen der Kollegenschar von den Verkleidungsplänen berichtete, wurde vermutet, dies sähe dann so aus:





Mal davon abgesehen, dass das ein großartiges Kostüm ist: Ich sehe ein bißchen anders aus als eine Neunjährige. Obwohl mein Kleidergeschmack wohl in diese Richtung geht. Originaldialog aus dem Kostümverleih:
Ich: "Das hier, das könnt ich mir vorstellen."
Verhärmte Verleiherin: *schweigen* "Naja. Sie haben aber schon gesehen, dass das ein Kinderkostüm ist."
Ich: *hysterisches, unglaubwürdiges Lachen* "Natürlich."
Ich (innerlich) : "Verdammt."
Generell sollen sich die Leute mal entscheiden, wofür sie mich halten: Gestern erst wurde seitens eines westfälischen Homosexuellen mit Apothekenimperium spekuliert, ich sei eine "Operierte", womit wohl in erster Linie eiBild hinzufügenne Penisentfernung gemeint war. Ich fühle mich insofern nicht offended, als dass dies wiederum echte Operierte offenden könnte. Immerhin könnte ich so den Grand Prix gewinnen, eine Ehre, die dem langweiligen Spießer, der Poposex für subversiv hält und politisches Kabarett für relevant, sicherlich nie zukommen würde:



Letztlich ist der Plan, die Lächerlichkeit der Zwangsverkleidung sowie die Peinlichkeiten, die dem Umstand, das billigste Weihnachtsfeierprogramm aller Zeiten darzustellen, zu verdanken sind, mittels Channeling meines großen Vorbilds Uriella zu kompensieren

Genau SO werde ich den ganzen. Abend. Gucken.

Einnahmequelle: Badewasser. Heute abend werde ich mich damit begnügen, von mir angefasste Wodkaflaschen für das 40fache des Originalpreises als Weihwasser o.ä. zu verticken.

Dienstag, 9. Dezember 2008

Wenn ich so könnte, wie ich wollte...

Karriereoption: Sektengründung. Geschickter als sie hier werde ich mit Sicherheit meine Stimme verstellen bei Geistererscheinungen. Sollte es mich bedenklich stimmen, dass mein Outfit in Teilen durchaus dem der Elizabeth Taylor Parodie Uriella entspricht? Und warum hatte ihre Spielzeugkollektion keinen Erfolg? Wenigstens hat sie in ihrem Multiberufsehemann (Pressesprecher, Komponist, Verschwörungstheoretiker) eine echte Unterstützung gefunden. Mit Engelsstimme!

Montag, 8. Dezember 2008

Das schöne Leben ist käuflich

Allerdings beim bösen Monopolisten-Junggesellen-Gebäudereiniger-turned-Medienhändler-mit-Schlaganfall Dussmann. Egal, es hat sich sehr gelohnt. Rocke innerlich, da äußerlich durch Yoga bei der Frau, die einst darüber sprach, Marmelade kochen und Menstruieren schlössen sich aus, totally zen. Frieden, Frieden, Frieden.



Außerdem total produktiv gewesen in der Affenhölle, die jetzt ungelogen Arnold Schwarzenegger als testimonial für Stromsparerei oder ähnlichen Tand einladen möchte. Habe völlig proaktiv folgendes Promomaterial erstellt:



Außerdem von dieser Stadtrundfahrt erfahren: In einem Bus, der sonst nur für betreute Menschen und/oder angetrunkene Kollegen nach der Weihnachtsfeier reserviert ist gegen 20 Eulen an Plätze gefahren werden, die man auch so besuchen könnte. Dabei Videos von Menschen, die ihr Leben damit verbringen, für immer jung wirken zu wollen, sehen müssen. So in etwa stelle ich mir einen Teil der Vorhölle vor. Der Bus würde dann allerdings nach Hannover fahren. Oder über Köln nach München, wenn ich ein richtig schlechter Mensch war.

Sonntag, 7. Dezember 2008

Musik ist mein Leben

Projekt für das nächste Jahr: Internationaler Popstar werden mit genau diesem Konzept:



Wenige Jahre später von David Walliams gespielt werden:



Das wird schön. Ich freue mich vor allem auf die Trickkleider!

Freitag, 5. Dezember 2008

Obacht, Blasen, Hänger. (none of this is meant in a sexual way)

Ärgernis des Tages: Die Verkäuferin im Antiquariat in der ansonsten hervorragenden Niederbarnimstraße, die Modalverben falsch versteht bzw. bösartig verwechselt. Ich hatte gefragt, ob man die Bücher selbst von den circa 24 Meter hohen Regalen nehmen könne. Ihre Antwort: "Für Zweifuffzisch ist hier mit Selbstbedienung." So sehr ich random bitchiness verehre: Wenn sie nicht von mir selbst oder seitens Fiona Erdmann gegenüber Desirée Nick ("Jetzt hältst du endlich mal den Rand hier, ja?!") kommt, ist das eher weniger mein Fall. Überhaupt, Ladenbesitzer. Als ich Mittwoch die obligatorische Flasche Glühwein im Nicht-wirklich-Spätverkauf meines Vertrauens kaufte, geriet ich in ein aufgeregtes Gespräch zwischen der vietnamesischen Verkäuferin und einem mutmaßlichen Inder (das ist KEIN Werturteil, auch wenn ich die Anbetung von Kühen nicht teile), die vor sich den Berliner Kurier mit einer Geschichte über den Bombenleger von Rudow, der seine Nichte bzw. ihren Arm gesprengt hat um sich mal für seine beschissene Kindheit zu rächen (oder so) auf dem Ladentisch hatten. Als ich fragte, was denn los sei, kriegte ich zu hören, der Typ, nach dem seit Tagen mit Hunderten von Polizisten gesucht wird, wohne hier um die Ecke und habe im Übrigen einen Anhänger mit Bombenbastelmaterial nahe dem Laden, in dem wir uns aufhielten, zu stehen. Ich war, ähnlich wie Bauer Heinerich, als er entdeckte, dass seine Auserwählte bei "Bauer sucht Frau" Brotrinden nicht in "die Katzen reintut" sondern wegwirft, enttäuscht und entsetzt von dem Fakt, dass der Inder meinte, er müsse dieses Wissen nicht unbedingt an die Polizei weiter geben: "Meine Frau sagt, das ist nicht unser Problem.". Meine folgende Predigt, die ungefähr 34mal die Aufforderung, die Polizei anzurufen enthielt, beendete ich schließlich mit "Ich zähl auf dich!". Ja, das war wohl die Barbara Eligmann in mir. Oder die Sabine Zimmermann. In jedem Fall habe ich damit meinen Anteil zur Fahndung dieses bei aller Abscheu slightly hotten Bösewichts getan. In anderen Neuigkeiten habe ich gestern 40 Minuten meiner eh schon spärlichen zwei Stunden "Ich schreibe meine Hausarbeit und fahre dafür in die Bibliothek weil ich zu Hause eh nichts gebacken kriege"- Zeit für das Spiel eines hypnotischen Blasenzerschieß-Spiels auf meinem Acer Aspire One verwendet. Ich fühlte mich so, wie meine blondierten Strähnchen und eine Nagelfarbe namens "Candy Apple" mich aussehen lassen: Idiotisch, aber happy. Wer würde schon mit Foucault über Reality TV schreiben wollen wenn er genausogut eine schlechte Tetrisversion mit glänzenden Blasen statt langweiligen Bauklötzen spielen kann? Ich nehme an, die Verkäuferin im Antiquariat oder solche Menschenimitationen.

Freitag, 21. November 2008

Die Erinnerungslücke, dein Freund und Helfer

Gestern biss ich mir an einem "K" in der Haribo-Bärenschule die erst kürzlich von meiner fantastischen, über Eiscreme-sprechenden Zahnärztin gemachte Kunststoff-Füllung aus dem linken Backenzahn. Dies berichtete ich Frau C., welche daraufhin ein Foto von dieser ihr bis dato unbekannten Dentalgefahr verlangte. Das zwangsläufige googeln brachte folgendes zu Tage:




Ja, es gibt Leute, die auf Ciao.de Testberichte für Buchstaben aus Gelantine, Farbstoffe und Zucker zusammenstellen. Ich hoffe ernsthaft, dass sie von Hans Riegel persönlich dafür einen Obulus in Form von Colorado-Vorräten bis an ihr Lebensende oder Yogi-Bussis erhalten bzw. ein sehr gutes Praktikumszeugnis von den gemeinen PR-Verantwortlichen in Bonn, die sie zu dieser Schmach gezwungen haben, welche hoffentlich bald verdrängt werden konnte. So erging es mir auch, wie ich in der vergangenen Woche feststellte, als mir erst fünf Stunden nach Verlassen des Congress Centres Leipzig einfiel, woher ich diese seelenlose Treppenaufbewahrungsanstalt kannte: Einst stand ich dort neben einem Kameramann, als dieser eine beliebige Rede von einem beliebigen Bundesminister aufnahm. Anlass war die Eröffnung irgendeiner Medizinmesse über die wir anschließend spazierten, wobei sich die kamerageilen Mediziner sich uns schamlos quasi vor die Füße warfen, so geil waren sie darauf, ihren talking head in einer regionalen Nachrichtensendung zu sehen. Dies geschah in dem Monat, der mich vom Journalismus kurierte. Pluspunkte wie rabattierte bis freie Museumsbesuche uned Flüge, deren demokratiestützende Funktion mir nie richtig klar geworden ist, konnten nicht über die großen Probleme der Profession hinwegtäuschen: Selbstgerechtigkeit und Kaffee-Atem. Einer der Momente, in denen mir klar wurde, dass ich niemals so werden wollte wie die Leute, die die Veröffentlichung ihrer Behauptungen mit Relevanz derselben verwechseln, war, als ich einen der Moderatoren hörte, wie er stolz berichtete, dass "die Amis ja ihren eigenen Holocaust" gehabt hätten und deswegen ihm als Touristen mal nicht dumm kommen sollten. Es war eine öffentlich-rechtliche Anstalt. Ich will mir nicht vorstellen, welche Geistesheroen in den Privaten rumlaufen, wobei mich diese ganzen Berufswahl-Geschichten insofern noch nicht tangieren, als dass ich erstmal einen Abschluss erreichen muss, der es mir dann erlaubt, mich an einen seelenzerknirschenden, stundenintensiven, bedeutungslosen, unterbezahlten Job zu verkaufen. Der Weg zu dieser wundervollen Aussicht ist unter anderem das Colloquium, das ich besuche und wo beim letzten Termin eine der Teilnehmerinnen von "trashbacks" sprach während eine andere fragte, was RSS-Feeds sind. Beide wollen natürlich ihre Abschlussarbeit über online-Themen schreiben. Eine dritte Teilnehmerin berichtete mir, sie sei so sauer, in ihrer mündlichen Prüfung eine zwei und keine eins gekriegt zu haben, nur, weil sie nicht gewusst hatte, dass spiegelonline die meistbesuchte website Deutschlands darstellt. Sie meinte, es wäre heise.de. Ich war zu beschäftigt damit, ihre Einladung zu einem intersexuellen Informationsabend auszuschlagen ohne dabei völlig paranoid auszusehen, als dass ich hätte auch nur ansatzweise der Absurdität ihrer Wissenslücke (bei einer Prüfung zu "Berufsfelder im Online-Journalismus") Tribut zollen können. Es war aber wirklich ganz schlimm. Gleichzeitig macht es mir Hoffnung für meine Prüfung...not. Wenn es bei mir soweit ist, werde ich wieder zur alten Taktik greifen: Tränen. Und wieder werde ich damit scheitern. Merke: Dumm kann man sein, man muss nur die Nerven behalten können. Daran gilt es wohl zu arbeiten.
Fazit: Die Welt ist schlecht, akademische Leistungsanforderungen irrational bis undurchsichtig, das Gleiche gilt für Journalisten. Jim Henson, übernehmen Sie:







Sonntag, 2. November 2008

Fleisch ist mein Fleisch

Der Besuch der von mir so heiß-geliebten Gratisveranstaltungen (d.h. Veranstaltungen, die zwecks Selbst-Promotion mehr oder weniger prominenter Zeitgenossen und ihrer Veröffentlichungen mit gratis Eintritt, Snacks und Alkohol locken) brachte mich letzten Donnerstag ins Truman-Haus nach Potsdam-Babelsberg, wo Print-Journalisten ganz im historischen Geiste des Hauses, nämlich mit dem Demokratieverständnis Stalins, sich Sorgen machten über den Teufel Internet und seine Gefahren, z.B. "diese Blogger". Ich habe mir halbwegs erschöpfend im Blog der Anderen und mir daran abgearbeitet, wer es lesen möchte: Bitteschön. Wer noch mehr Gründe braucht, das Internet zu verehren, dem sei meine neue Lieblingswebsite empfohlen, gerade in Zeiten der drohenden Rezession ein echtes Goldstück. Ich könnte mir zum Beispiel gut vorstellen, dass ein Potpourri aus den dort verkauften Produkten jede Kündigung mit comic relief erfüllt:


Zum Einen ein Kommentar zum politischen Versagen, das in die Wirtschaftskrise mündete und damit Thilo Sarazzin zum neuen Küchenmeister macht:



Oder ein paar weise Worte für den erfolgreichen Wiedereinstieg in die Berufswelt:





Langzeitarbeitslosigkeit schmeckte nie besser als aus dieser Tasse:





Und schließlich noch das Emblem des Journalismus und seiner schwachsinnigen Auseinandersetzung um Print und Online- Superiorität:




In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch mich selbst und meine Kostümidee, als "Witwe des Printjournalismus" zum diesjährigen Halloween selbst loben. Leider kam dies in dem von sich-am-Ballermann-wähnenden kopenhagener Touristen überfüllten Laden, in dem ich solchermaßen gewandet auftauchte, wenig bis gar nicht an bzw. wusste ich, dass meine Kreativität verschwendet war, als mich ein als Vampir verkleideter Jurist humorfrei fragte, ob das hieße, ich sei selbst Journalistin wenn ich hier als Witwe etc. aufträte. Ich konnte jemanden, der jenes Erasmushauptquartier in der Schönhauser Allee als sein "verlängertes Wohnzimmer" bezeichnete, nicht ernstnehmen und beeilte mich, die Bar in Richtung Tanzfläche zu verlassen. Der Todesmetal, der dort gespielt wurde und die versammelten Totenköpfe-Banger , die im echten Leben Programmierer sind und/oder Game-Tester, vergnatzten mich dann vollends. Nur der Anblick mehrerer blutiger Bräute sowie eine Monsterplatte Nachos mit Käse, Sour Cream, Hackfleisch, Salsa und Guacamole für lächerliche 7, 50 Euro konnten mich in diesem Laden halten. I´m easy that way.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Gymnastik mit Fantasienamen revisited

Du weißt, dass du einen Yogakurs bei Satan gebucht hast, wenn dein Lehrer die erste Stunde damit beginnt, 10 Minuten eindringlich die Teilnehmer anzustarren, sich dabei mutmaßlich ihre Namen einprägend für spätere Stalkingversuche. Darüber hinaus widersprach der erste an den Kurs gerichtete Satz auch allem, was ich bisher über das eher auf Gleichmut, Frieden und Balance ausgerichtete Selbsttäuschungsprogramm mit Bauchmuskeltraining, als dass ich Yoga bis jetzt kennen und lieben gelernt habe, erfahren habe:


"Es geht hier darum, dass ihr Verantwortung für euch selbst übernehmt."

Ach wirklich, du Clown? Alleine die ANWESENHEIT in einem Sportkurs zeigt ja wohl, dass man Verantwortung für sich selbst übernimmt.

Was er damit ausdrücken wollte war, man müsse wohl selbst einschätzen können, ob man die hanebüchenen Bewegunsabläufe, die er mit sadistischem Vergnügen am Scheitern seiner Opfer immer und immer wieder wiederholte und variierte, aus Gründen der Selbstachtung irgendwann abbrechen würde oder ob man aus Angst vor einem weiteren Starr-Wettbewerb lieber bis zur absoluten Erschöpfung 34x unwidersprochen zwischen auf dem Boden liegen, Liegestützen, dem "Berg" und im Stehen die Arme hochstrecken wechseln würde. Ich beließ es dabei, irgendwann bäuchlings mit Gesicht nach unten auf der Matte zu verweilen und damit die Verantwortung für meine geistige und körperliche Gesundheit zu übernehmen. Ich atmete lieber schweißdurchtränkten Gummi als dieser indisch-inspirierten Version eines Drill Instructors bei seinem Teufelswerk zu folgen. Großartig auch, wie er ausschließlich die Sanskrit-Bezeichnungen für die Positionen benutzte (also Bhujangasana statt Kobra, ja, das musste ich googlen), so dass man nicht mal ahnte, womit er einen jetzt behelligen wollte. Fun Fact: Der Typ sieht aus wie der semi-heiße Georg Mascolo, dessen Unterhemd unterm halbtransparenten Oberhemd mit noch immer sehr positiv in Erinnerung geblieben ist:



Ich trauere dem Hippie- Lehrer aus dem ersten Yogakurs hinterher, der mindestens genauso beweglich war wie Mascolos Höllenzwilling, dabei jedoch deutlich häufiger lächelte (das heißt, er lächelte überhaupt) und den Focus auf Entspannung, Balance und inneres Gleichgewicht legte. Denn darum geht es verdammt noch mal im Yoga! Und "Frieden, Frieden, Frieden." (Abschlussworte jeder guten Yogasession). Namaste.

Freitag, 17. Oktober 2008

Entsetzliches Sitzen.

Lied des Tages:

http://www.mtv.de/videos/2933202

Frage des Tages: Wird man potentiell weniger zum Arschloch wenn man sich fragt, ob man selbst das Problem ist oder die anderen?

Hervorragende Idee, um sich selbst von universitären Pflichten abzulenken, solche Selbstumkreisungen. Noch bessere Idee: Mein neuester Versuch einer Hausarbeit bei der Adorno-verliebten-Godmother-of-Geisteswissenschaft mit noch mehr abstrusen Belegen meiner vor dem Fernseher vergeudeten Jugend zu spicken. Ich arbeite an einer völlig subjektiven Typologie dessen, was ein Franzose und ein Italiener ohne Fernseher "Neofernsehen" nennen. Man kann es ihnen nicht verübeln: Letztlich hat Rai zum Aufstieg der dreisprachig stammelnden Michelle Hunziker beigetragen. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob sie es mit Marcel Reich-Ranicki halten bzw. er mit ihnen indem Kenntnis keine Vorraussetzung mehr für Kritik ist. Beim Bild von Casetti und Odin ist, dass sie einmal auf dem Weg in den philosophischen Lesekreis an einem Fernsehgeschäft vorbeigekommen sind und dort "Tutti Frutti" lief oder "Wetten, dass", Sendungen, die meinem geliebten Fernsehen einen schlechten Namen geben. Oder eben gerade nicht: Wer etwas über Quantenphysik lernen will, liest gleich ein Buch. Fernsehen ist Unterhaltung, es darf hirnverbrannt sein, gemein und oberflächlich. Warum sollte es besser sein als die Welt, die es umgibt? Warum muss Fernsehen Volksbildung sein? Woher nimmt sich alter Literaturkritiker, der mutmaßlich einen guten Teil seines Verdienstes eben dem von ihm verteufelten Fernsehen schuldet, das Recht, einen Preis und ein Medium in Bausch und Bogen niederzuquatschen und dessen Preisträger als unwürdig seiner Gesellschaft zu bezeichnen? Wenn "Deutschland sucht den Superstar" ausgezeichnet wird, dann nicht, weil Bohlen dort junge Menschen beleidigt, sondern weil dort an technischem Aufwand und Live-Risiko wöchentlich das gestemmt wird, was das ZDF einmal monatlich hinkriegt. Und wenn am gleichen Abend Sven Kuntze mit seiner hervorragenden Selbsteinweisungs-Reportage über Altenheime und Modelle des Wohnens im Alter mit einem Preis von der Bühne geht, dann steht es jemanden wie Reich-Ranicki, der das letzte Mal vor 10 Jahren irgendetwas relevantes in einem öffentlichen Diskurs beizutragen hatte, nicht an, das zu negieren.
Predigt beendet. Bei aller Apologetik stimmt es mich schon etwas bedenklich, wenn ich mich nicht nur an das Schöneberger-Desaster "Girlscamp", sondern auch noch den Pinkel-Skandal von "Die Burg", das D-Promi-Linup von "Die Alm" sowie die wirklich sehr obskure Sendung "Fort Boyar" erinnere. Ich werde, ich will, ich muss daraus eine verachtete Hausarbeit stricken. Scheinfreiheit ist wichtiger als wissenschaftliches Standing, ist doch logisch. Das Berufsziel Professorin hab ich ha zum Glück schon mit 11 aufgegeben. Damals erfuhr ich, dass man in seinem Büro keinen Kabelanschluss hat.
Zum Schluss Plevka für das schöne Leben:

Sonntag, 5. Oktober 2008

Ohne Hass und Peinlichkeit

Wenn man den Sonntag verkatert und ungeduscht mit der Dauerberieselung durch RTL 2 verbringt in einem Zimmer, das aussieht, als hätte die GSG 9 zum Frühstück reingeschaut, dann ist das entweder die Normalität urbaner twens, wie sie von US-Unterhaltungsserien propagiert wird oder es ist der erste Schritt in die Verwahrlosung, wobei ich mich in diesem Zusammenhang gerne daran erinnere, wie der Vater eines Freundes einst nach sorgenvollem Blick auf seinen Sohn meinte, dieser sähe "irgendwie verwahrlost" aus, man hatte sich zuvor einige Monate nicht gesehen. Diese charmante Lebensstil-und-Look-Evaluation fand bald Einzug in den Jargon der Menschen, neben denen ich damals stand und darauf wartete, dass die Hofpause vorbei war.
Was hat mich bloß so ruiniert? Was generell nur schwierig und nicht ohne Rückgriff auf Kristallkugeln und eine Frau mit Buckel, schwarzer Katze und falschem slawischen Akzent zu beantworten ist, ist auf dieses Wochenende bezogen relativ leicht einzugrenzen auf einen Abend, der acht Uhr mit dem fantastischen "Scheinfranzosen" (Selbstbeschreibung) Jacques Palminger und seiner noch fantastischeren Veranstaltungsreihe "Songs for Joy" begann und halb sechs Uhr morgens mit der unaufgeforderten Aussage "Ick habe keine Spieße mehr" eines Würstchenverkäufers endete. Die Songs for Joy bestanden aus Texten enttäuschter bis optimistischer Mitbürger und trugen Titel wie "Ach, leck mich doch..." oder irgendetwas Französisches, was ich nicht verstanden habe, und wurden allesamt mit wundervollen Akkorden und Rhythmen versehen seitens der drei Abendverantwortlichen um Palminger, wobei mein Lieblingslied von diesem hervorragend tanzenden Herrn zum Besten gegeben wurde und bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich aus den Worten "Smick Smack" bestand. Die Ausnahmen waren die weisen Zeilen: "Es ist an der Zeit, dass die Menschheit versteht, dass Frösche keine Hosen brauchen." Über die Bedeutung dieser Worte zu sinnieren blieb wenig Zeit, wurde doch schon wenig später das ekstatische Publikum zu einer Spontandemonstration vor dem Haus der Kanzlerin aufgefordert. Offensichtlich hatte der Texter des letzten Songs Angela Merkel als Verursacherin seiner andauernde Arbeitslosigkeit und daraus resultierendem Hunger ausgemacht. Da sie nur zwei Straßen vom Veranstaltungsort entfernt wohnt, schien sich ein Protestmarsch zu ihrem Haus nebst Singen des Refrains "Komm mit, Stück für Stück!" mehr als aufzudrängen. Außerdem war es schwer, gesungenen Aufforderungen wie "Szenetypen lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Gruppe ein!" zu widerstehen. Einmal bei Angies Haus angekommen, stellte sich uns die Staatsmacht in ihrer ganzen Härte in den Weg: Zwei völlig Stoiker in Uniform schüttelten lapidar den Kopf, als sie gefragt wurden, ob "die denn nun da" sei. Als der zweite Polzeicorsa ankam, verließ der Protestmarsch die Szenerie. Uns war das Pflaster zu heiß geworden. Wir wären nicht der Stolz Ulrike Meinhoffs gewesen, Jacques und ich, wie wir nebeneinander singend friedlich zurück ins Theater marschierten. Nebenbei: Ist es faschistisch, wenn man sich am Gleichschritt erfreut?
Der weitere Verlauf des Abends brachte den Besuch einer Lokalität, in denen ich erstmals auf einer Tanzfläche den Satz hörte "Muss man denn hier fünf Stunden auf Roland Kaiser warten oder was?". Ich war naturgemäß begeistert.
Zum Schluss noch der Grund, warum ich Herrn Palminger ehelichen möchte:

Freitag, 26. September 2008

My so called life

Die vergangene Woche zeigt es: Ich bin die Vorhut des Mainstream. So wurde nur 48 Stunden nach meinem Besuch im kleinsten Kino des Universums alias Alf Spaeths Gesamtkunstwerk aus Wohnung, Barbieschlachthof und Treffpunkt lokaler Selbstdarsteller jenes in der großartigen internationalen Show von Kurt Krömer gefeatured.







Ich möchte betonen, dass ich keinen Durchfallsaft bekam sondern einen "Begrüßungscocktail" aus dem Gipspenis des Gipseisbärs, der bei meinem Besuch auf wundersame Art un Weise aus dem Kellerverlies durch die winzige Bodenluke ins Erdgeschoss bugsiert worden war.



Alf meinte, der Bär wäre von Bruno inspiriert. Ich sehe eher Knut, der Herrn Dörflein verspeist hat.


Alfs Kunst, die maßgeblich aus zerschnittenen Barbies und Kunstblut bestand. Ist doch schön wenn man sein inneres Kind so lebendig hält, wobei damit der frauenverachtende innere 14jährige Gothfan gemeint ist. Wer kennt ihn nicht.


Investigativ wie immer und mit nur leicht entglittenen Gesichtszügen betritt die Frauke Ludowigs Kreuzbergs Alfs Multifunktionsbude: Gipshintern links im Bild, Vorhang aus Filmrollen rechts. An den Wänden eine Tapete aus Fotos, gerne auch aus Alfs Oevre als Aktfotograf, sowie die immer wieder gleichen Lobpreisungen von Fotografierten und vermutlichen Exkollegen, zu denen auch die kunstbegeisterten Avantgardisten von "Marienhof" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" gehören, wobei Alf diese Tätigkeit mit dem sehr charmanten Fazit "Das waren nur schlechte Zeiten!" garnierte. Im Grunde genommen sieht Alfs Wohnung samt "Klaus Kinski Suite" (eine Küche mit Schlafnische, die er für 1,50 Euro an internationale Künstler vermietet) aus, als sei Amy Winehouses´Schädel im Crackrausch explodiert, also durchaus nicht unsympathisch, sieht man vom Kunstblut, den abgetrennten Plastikpenissen und einer Installation namens "Der goldene Schuss" ab, die einen unschönen Knall abgibt, wenn man sie passiert. Höhepunkt des Abends war unbestritten das Ende, als Alf uns verabschiedete, dabei irgendwie abwesend wirkend und sich dann diebisch daran erfreute, dass wir durch die von ihm angestellte künstliche (und eiskalten) Regenanlage über seiner Eingangstür laufen mussten. Nass, aber glücklich verließen wir die Szene. Meine gute Laune rührte dabei maßgeblich aus der neuen Bekanntschaft mit der countesse, einer New Yorker Sängerin, der ich schamlos meine Nummer aufgedrängt hatte, offiziell, um sie bei der Untervermietung ihrer Kreuzberger Wohnung zu unterstützen, in Wahrheit natürlich nur, um von ihren Coolnessfaktor parasitär abzugreifen. Unnötig zu sagen, dass dies scheitern musste, sie rief nie zurück.

Weiterer Beweis meines Charakters als Mainstream-Gift-für-den-Underground: Kaum kaufe ich auf dem Flohmarkt das lange ersehnte Hypercolor-Shirt, Traum meiner Kindheit, kündigt Americal Apparel an, dieses fantastische Farbänderungs-Textil im Winter neu aufzulegen.

Freitag, 19. September 2008

Wasteland

Du weißt, dass du die perfekte Zahnärztin gefunden hast, wenn sie dir nicht nur eine perfekte Füllung verpasst und den Kinderbohrer nimmt, damit es nicht so schlimm wird, sondern dir am Ende der Behandlung noch eine gratis Information über alternative Krampfaderentfernungen mitgibt. Überhaupt ist die Frau meine persönliche Dr. Quinn nachdem sie mit einem Blick auf mein übernächtigtes Gesicht sagen konnte, dass ich es an der Schilddrüse habe. Ich glaube, es ist eher der Herbst mit seinem unausweichlichen Mitbringseln "Küchentrinken" bzw. "Balkontrinken". Außerdem kann ich es nicht an der Schilddrüse haben weil es doch schon die Mitbewohnerin dergestalt erwischt hat und zwei Fälle in einer Wohngemeinschaft, das wäre schon fast eine Akte-X-Folge. Vielleicht haben uns die polnischen Bauarbeiter Asbest in die Wände geklöppelt? Nicht, dass ich Ahnung hätte von der Schilddrüsenbeeinflussung durch Asbest aber ich könnte mir vorstellen, dass sowas vorkommt. Generell kann ich mir aber recht viel vorstellen, was diese These nicht viel glaubwürdiger macht als beispielsweise meine Annahme, dass Frank Walter Steinmeier mit seinem iPhone Miley Cyrus-eske Fotos von sich macht.
Ansonsten werde ich in jüngster Zeit ständig auf meinen Kanaldurchquerungsplan angesprochen und was daraus geworden wäre. Dazu sage ich nur, dass ich größere Ziele verfolge. In Zeiten von Little Britain USA (also David Walliams an einer anderen Küste) muss ich wohl den Atlantik queren. Das sollte nicht viel schwieriger sein als die paar Meilen durch den Channel.
Die Bankenkrise macht sich für mich übrigens dadurch bemerkbar, dass ich im Reichelt Markt am Alexanderplatz von einer adligen Kassiererin bedient wurde. Rausgewachsene Dauerwelle und nach der Deutschland- Card fragen: Soweit ist es gekommen mit dem edlen Geblüt.
In 2 Stunden gehe ich mit Frau S. in einen Keller, in dem angeblich schon Iggy Pop verkehrte. Dort gibt es das laut Aussage seines Betreibers "kleinste Kino Berlins" mit nur 2 Plätzen. Ich gehe davon aus, dass der Mann sein Wohnzimmer meint. Und ehrlich gesagt, habe ich irgendwie die Befürchtung von Frau S. meist sehr jungen männlichen Begleitern für spießig gehalten zu werden wenn ich ein Problem habe mit den Knebelungsversuchen des falschen Kinobetreibers bzw. seinem Angebot, uns in seine eigenen Körperweltenausstellung zu integrieren. Dies könnte also der letzte Eintrag sein falls ich es aus dem Iggy Pop Gedächtniskeller des Kreuzberger Gunther von Hagens nicht mehr raus schaffe. Dementsprechend hier mein Vermächtnis, was nicht mein Vermächtnis ist, sondern das von Christiane Rösinger, die ja noch gar nicht tot ist und die ich gerne gewesen wäre wenn ich jetzt tot wäre. Anyway.

Sonntag, 7. September 2008

Start spreading the news

Also New York City. Vielleicht hätte mir der die Frau am Check-In in Tegel, die aussah wie Heath Ledger als Joker samt ins toxisch gehender Lippenstiftfarbe Warnung genug sein müssen als sie mich erst offen dafür verachtete, dass ich für eine "so leichte Tasche" angeblich Hilfe bräuchte beim Tragen (ich hatte es gewagt, einen nicht-Ticket-Besitzer in die Warteschlange mitzunehmen und das mit dem Getrage war meine Ausrede. Nicht so kreativ, aber immerhin). Außerdem fragte sie mich ungefähr 14mal, wer meine Tasche gepackt hätte, als warte sie darauf, dass ich mich irgendwann als die geheime Terroristin mit Flüssigsprengstoff enttarnen würde, einfach nur, weil ich es leid wäre, immer die gleiche Frage gestellt zu bekommen. Das war schon alles ziemlich schrecklich. Immerhin gab es im Flugzeug Eiscreme, das nahm ich als positives Zeichen. Um mich vom schrecklichsten Film aller Zeiten "Made of Honor" (Romantic Comedy mit Patrick Dempsey, noch viel schrecklicher als "Sweet Home Alabama" mit Patrick Dempsey) abzulenken, tat ich so, als würde mich das irgendwie einem Filmscript ähnelnde Bündel von losen Blättern, an dem mein Sitznachbar herumkritzelte interessieren. Wie sich herausstellte, war es ein Filmscript, allerdings zu einem Film, von dem ich erstens nicht glaube, dass er jemals gedreht wird und von dem ich zweitens die Zurechnunsfähigkeit seines Verfassers stark anzweifeln würde: "It´s a kind of fantasy story...it´s about a king that wants to reunite als races and countries in the world and for that he gets hunted." Mehr als einmal musste ich einen Lachanfall unterdrücken als ich Regieanweisungen las wie "is put under a spell" oder "explodes". Auch wenn ich es irgendwie ermutigend fand, dass mir Nick letztlich seine Telefonnummer gab (wobei das, glaube ich, letztlich so etwas wie eine Höflichkeitsfloskel ist in den USA und äquivalent zu einem Handshake), entschied ich mich dagegen ihn jemals anzurufen, was erstens mit seiner Samtjogginghose, zweitens mit seinem uralten IBook, drittens mit seinem offensichtlichen Wahnsinn und viertens mit seiner New Jersey- Vorwahl zu tun hatte, eine New York Lektion, die mir Seinfeld beigebracht hatte bzw. mein großes Vorbild Elaine Benes, der ich erst kürzlich wieder nacheiferte als ich mich auf einem Firmenfest zum Arschclown des Abends machte, einfach nur, weil es GING:





Gut, getanzt habe ich nicht. Es waren aber knicksen involviert, Stimmenimitation und das Streuen hanebüchener Gerüchte. Ich rechne täglich mit einer Kündigung.
What else? New York wird überbewertet, zumindest was seine Zugehörigkeit zur zivilisierten Welt angeht. Nur soviel: Gegen JFK wirkt Tegel wie ein futuristisches Muster an Effizienz und Sauberkeit. Nennt mich Deutsch, aber ich finde es irgendwie deprimierend am größten Flughafen der größten Stadt der USA anzukommen, nur um in braun gestrichenen Wartehallen, von deren 40 centimetern hohen Decken es tropft und schimmelt auf mies-gelaunte Asiatisch-Amerikanische Beamte der Homelandsecurity zu warten, die wort- und grußlos meine Fingerabdrücke abnehmen nur um mir wahrscheinlich irgendwann ein Drogenvergehen anhängen zu können wenn ich mich despektierlich über ihr Verhalten oder die Idiotie ihrer Mitbürger äußere. Was ich hiermir tue. To put it mildly: Die Hellsten sind die Amerikaner nicht. Sie lassen ihre U-Bahnhöfe in einen Zustand, den ich mit dem Begriff "Vorhölle" bezeichnen möchte, und ich kann es auch irgendwie nicht als tröstlich betrachten, dass sie ÜBERHAUPT ein öffentliches Nahverkehrssystem haben. Das Ding ist, sie könnten es genausogut NICHT haben, betrachtet man die katastrophalen Zustände unter Tage. Mehr als einmal fühlte ich mich wie ein Fluchthelfer an der innerdeutschen Grenze, so dreckig, stickig heiß und voll von absurden Gerüchen waren diese Bahnhöfe, wobei das Fehlen sämtlicher Fahrpläne nur dadurch relativiert wird, als dass es nicht mal EINE VERDAMMTE UHR gibt auf einem dieser Wartehallen in die Verdammnis. Ich meine, was anderes als eine verdammte UHR braucht es in einem Bahnhof außer vielleicht noch den verdammten Zug?
Ich war NICHT zufrieden. Das steigerte sich noch, als ich am letzten Tag meines Aufenthalts den Hotelconcierge, eine Mischung aus Robin Williams in One Hour Photo und irgendeinem Jim Carrey-Charakter fragte, wie er die Holiday-Fahrfrequenz der U-Bahn einschätze und er mir lapidar mitteilte "I don´t use the Subway. It´s DIRTY." So wurde mir meine Unfähigkeit, es den Locals gleichzutun und Strecken ab 2 Meter eher mit dem Taxi zu fahren als auch nur einen Schritt zu laufen oder die Bahn zu nehmen, als idiotische Schrulle ausgelegt.
Abgesehen von der Idiotie einer Großteils ihrer Bewohner, der Verratztheit seiner Bahnhöfe, der Vorliebe für absolut sinnlosen Krach (es wird grundsätzlich per Freisprechanlage telefoniert, auch und vor allem während man seinem Job des Toilettenpapierwechselns in Loebs Boathouse im Central Park nachgeht, why not), der ständigen Schlechtgelauntheit und Bereitschaft zum Abzocken im Dienstleistungsbereich wars dann aber doch ganz schön.
Beweise:

Sonntag, 24. August 2008

Chefvisite

Es gibt mehrere Versionen der anstehenden Reise nach US von A: Erstens könnte ich bereits im Bus auf dem Weg zum Flughafen Tegel einer Busentführung zum Flughafen Schönefeld zum Opfer fallen, nicht ohne Gladbeck-eske Interviewintervention in Gestalt der rbb-Abendschau-Wunderwaffe Uli Zelle. Das wäre ein schönes Ende für mich, ich wäre dann sowas wie die Einweihung des Bahnhofs Südkreuz in puncto Berichterstattungswürdigkeit durch Uli Zelle. Zweitens könnte ich in der Sicherheitsverwahrung des Flughafens Tegel landen, zum Beispiel weil ich vergessen habe, meine 2,95 Tagescreme von Aldi aus dem Handgepäck zu nehmen. Daraufhin würden sich eine unangenehme u.a. rektal orientierte Drogensuche anschließen, man kennt das aus den einschlägigen Frauengefängnisfilmen. Ich hoffe, die Tagescreme kommt in diesem Zusammenhang nocheinmal zu neuen Ehren.
Drittens könnte ich auf dem Rollfeld explodieren, zusammen mit dem maroden Flugzeug in das ich mich mit Mühe und Not gehetzt habe. Das wäre insofern traurig, als dass ich erstens tot wäre und zweitens nicht mehr zu identifizieren, das heißt, die Trauer- und Pilgerzüge samt Opfergaben an meinem Grab müssten stets am Rollfeld in Tegel stattfinden, was angesichts der Unübersichtlichkeit und Überlastung dieses Resopalmonsters von einem Flughafen recht unbequem wäre.
Viertens könnte ich in den Atlantik stürzen, wobei dies nur geschehen würde um meine früheren Bestrebungen den englischen Kanal schwimmend zu durchqueren, ins Lächerliche zu ziehen. Dies würde damit sehr gut gelingen, ich würde innerhalb von 15 Minuten ins flüssige Grab gehen.
Fünftens könnte ich in der Sicherheitsverwahrung von JFK landen, z.B. weil ich einen Monat Jungpionier war und insofern mit sechs Jahren strammer Kommunist. In einer Verkettung unglücklicher Umstände würde auf meine speziellen Fall die Todesstrafe angewandt und das erste Mal seit 45 Jahren im Staate New York auch vollzogen werden, da Barack Obama ein Exempel zur Demonstration seiner staatsmännischen Härte braucht.
Es könnte aber auch alles gut gehen in dem Sinn, dass ich den Flug kriege, dieser nicht abstürzt, das New Yorker U-Bahn System mich nicht nach Long Island und/oder die Bronx entführt (und Ja, ich habe noch die achtziger-Jahre-Bronx-Paranoia, dafür habe ich zuwenig erlösende Nachrichten über das Ende der Gangkultur gelesen) und das gebuchte Hotel ein Zimmer für mich hat. Wenn das passiert, ist der Plan, mir von dieser sympathischen Stepford-Witwe einen alten US-Millionär zwecks Scheinehelichung an Land ziehen zu lassen. Gut, ihre "Klienten" (=Hochstapler mit 7 Jahre alten 3er BMWs, die auf Long Island leben und trotzdem behaupten reich zu sein, siehe knallhart investigative Kabel1- Reportage letzte Woche) sehen aus wie Schildkröten. Vielleicht könnte man sich ja auf Treffen in Dunkelrestraurants einigen und/oder ich nehme die Kontaktlinsen raus. Diese Details regeln die Anwälte, die den albernen Ehevertrag aufsetzen, der sich später als sittenwidrig erweisen wird, wobei ich mit "später" einen Zeitraum meine, der 2 Monate nicht überschreitet. Ich habe schließlich noch zu tun.
Zum Schluss Lesebefehle für die Zeit meiner Abwesenheit:
Ariel Leve will gestalkt werden, Tanya Gold verkauft experimentell ihr Hirn an Frauenmagazine und Sven Regener hat wie immer mit allem Recht. Nicht zuletzt weil er dies getextet hat.

Mittwoch, 20. August 2008

acht einhalb kugeln malaga

Gestern hörte ich erstmals in meiner Karriere als Dentalpatientin von einer Zahnärztin, dass ich sehr schöne Zähne habe und keine nennenswerten Schäden. Immerhin, dachte ich. Dann wurde es noch besser: Die Zahnärztin und ich unterhielten uns über eine einstmals berühmte Eisdiele in meiner Heimatstadt, die ich nur noch aus Erzählungen kenne, in denen sie als mystischer Sehnsuchtsort für Südfrüchte und andere einstige Mangelware agiert. Die Zahnärztin bestätigte meine Verklärungen und setzte noch eins drauf: Es sei die einzige Eisdiele gewesen, die damals und in dieser Stadt Malagaeis geführt habe. Das Leuchten in ihren Augen während dieses Berichts zeigte mir, dass ich eine Schwester im Geiste der Proklamation von Eiscreme als Ersatzreligion gefunden hatte, was mir den Tag wirklich rettete: Eine Dentistin die Zucker verehrt. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob auch Kassenpatienten so nett und ausdauernd das Händchen gehalten wird beim Bohren ("Und wenn es nicht geht, drücken Sie zu, dann kriegen Sie sofort eine Spritze, niemand muss hier irgendetwas beweisen.") und ich insofern ein Abrechnung-Ripoff mit Herzlichkeit verwechsle, werde ich mit Freuden die bereits gestern anberaumten nicht-wirklich-nötig-aber-irgendwie-warum-nicht Termine der Zahnreinigung und Lackierung (ja, ich werde blank polierte Zahninnenflächen haben) wahrnehmen und nicht wie sonst immer die Nachbehandlungstermine "vergessen" (wobei ich zu meiner Verteidigung sagen muss, dass die letzte Ärztin mittels Panflötenklassik im Behandlungsraum sich meine Desertation selbst zuzuschreiben hatte). Man kaufte mich auch mit zwei gratis Minipackungen Superspezialzahncreme, die mir auch und vor allem für den New York Trip dienen sollen. Ich werde mir vielleicht die Zähne mit Pfützenwasser putzen wenn ich erstmal in der Gosse liege weil die Hotelbuchung nicht geklappt hat und das Taxi mich in der Bronx absetzt, nicht ohne mich vorher auszurauben, aber immerhin werde ich gepflegte Zähne haben.
Direkte Pläne für die Stadt habe ich nicht, außer vielleicht Paris, Nicky oder Barron III Hilton zu ehelichen um erstens meinem Idol Elizabeth Taylor NOCH ähnlicher zu werden und finanziell halbwegs auszusorgen. Ich gehe davon aus, dass Nicky das schwächere Glied in der von Inzest und Psychopharmaka-Míßbrauch gezeichneten Dynastie der Degeneration ist, so dass ich sie beispielsweise mit einer Schachtel bunter Pillen vor den Altar locken könnte. Andererseits wäre Paris die bessere Partie, erwirtschaftete sie doch einst mit einem auf Video gebannten Blowjob mehr Geld als ihr Großvater mit 50 Jahren Arbeit im Hotelbusiness. Die Mitbewohnerin meint dazu übrigens, dass ein Sexualitätsband von uns beiden nicht annähernd soviel Erfolg haben würde. Ich stimme schweren Herzens zu.
In anderen Neuigkeiten weiß ich seit gestern abend, dass Amy Winehouse ein ziemlich großer Fellini-Fan sein muss:




Das kann ich sehr gut verstehen, ich möchte auch in einem Film von ihm leben, wo eine Kur aussieht wie ein Hotelaufenthalt in einem Luxusressort und Ehemänner aussehen wie Marcello Mastroianni.

Donnerstag, 14. August 2008

dreams are my reality

Wäre diese Welt eine bessere und dementsprechend "die unterhaltsamsten Momente meines Lebens in der letzten Woche" eine olympische Disziplin, dann wäre mein Unterbewußtsein ungefähr Michael Phelps, und das ganz ohne Doping bzw. magische Badehosen, bescherte es mir doch unter anderem folgenden Traum: Ich und einige andere Mitarbeiter des Büros, das mich mittels seelenloser Tastaturbearbeitung von der Universität ablenkt, befinden uns im Büro des Firmenchefs. Der Anlass ist völlig unklar, dennoch (oder vielleicht gerade deswegen) sind alle guter Stimmung, welche einen Höhepunkt erreicht, als der Chef gedankenverloren eine Gitarre zur Hand nimmt und beginnt zu spielen und natürlich alle einstimmen in eine Version dieses Klassikers der multikulturellen Chormusik:







Leider gab es in meinem Traum keine Asiaten in hautengen Overalls oder Playbackstümper mit Schnäuzer in maisgelben Synthetikhemden, dafür überzeugte der improvisierte Kollegenchor mit Hingabe und sklavischer Bewunderung des Vorsängers.

Die Übertragungsleistung meines Hirns ist und bleibt mir schleierhaft denn Musik ist die Sache der Arbeitsstätte mitnichten, höchstens, wenn man die Trommelschläge auf einer Galeere solchermaßen bezeichnen möchte. Auch ist die Intonation bzw. Tonlage der Geschäftsführung eher für Sprachkassetten geeignet als Gesang und nichts an Haar und Gestalt erinnert an den Exil-Briten, den ich immer dafür verehren werde, dass er einst bei Bayern 3 anrief um seinen eigenen Tod zu behaupten. Er tat dies, indem er sich als seinen eigenen Zwillingsbruder ausgab. Naturgemäß waren Jürgen Drews und Bayern 3 die einzigen, die ihm glaubten.

Ich kann übrigens nicht behaupten, dass die olympischen Spiele in whats-the-name-Bejing-or-Peking-I-so-don´t-care mich mehr erregen würden als die Aussicht auf Hühnchen süß-sauer von Plus oder mir mehr Freude bereiten würde als die neue Badezimmerwandgestaltung:





Im Grunde genommen ist es sogar so, dass ich lieber Hähnchen süß-sauer von Plus auf dem Badewannenrand verspeise und dabei die neue Prinzessinnenwand anstarre als auch nur einen olympischen Wettbewerb zu sehen, wobei ich selbst, wenn ich acht Stunden dort sitzen würde, niemals Thrombose-Strümpfe tragen würde obwohl es das ist, wozu mich Mitbürger drängen, wenn sie erfahren, dass ich acht Stunden sitzend (Flugzeuge mit Auslauf sind rar) den Atlantik queren werde. Es ist nicht gut, wenn man erfahren muss, dass Freunde dem Wahnsinn biologischer Verwandter in nichts nachstehen indem sie mit der Penetranz eines geleert-werdenden-Altglas-Containers darauf drängen, man möge sich solchermaßen bekleidet in die Hauptstadt der Coolness (und Rezession) begeben:






Ich könnte mir vorstellen, dass Lindsay Lohan irgendwann in so etwas heiratet. Für mich aber ist es keine Option. Dann lieber explodierte Beine über den Wolken, wobei folglich mein universitäres Motto "Beine sind wichtiger als Prüfungen!" (das ich ernst meine und wofür ich Spott und Anerkennung in gleichen Teilen erntete) überarbeitet werden müsste. Das dürfte aber nicht so schwer sein, ich finde so ziemlich jeden Körperteil in seiner Funktionstüchtigkeit wichtiger als Prüfungen. Ein wahrhaft unolympischer Gedanke.

Freitag, 8. August 2008

Mission: Randomness

Als Zeichen fortschreitenden Verfalls und unerfreulich früher Verkalkung dürfte wohl gelten, wenn man zuerst die gelbe Tonne mit der schwarzen Tonne verwechselt und auf dem von Schuldgefühlen gegenüber den armen Mülltrennern geplagten Weg zurück in die Wohnung nur an der falschen Fußmatte erkennt, dass man eine Etage zu weit gegangen ist. Es gilt allerdings zu reklamieren, dass diese Verkalkung eindeutig charmanter ist als jene von Zehlendorfern, die Friedrichshain oder Prenzlauer Berg als "Pseudo-Hip" bezeichnen. Ich nehme an, jene Menschen suchen auf ihren Wahlzetteln auch noch Eberhard Diepgen, wundern sich über die laschen Ostberliner Grenzer und hoffen auf den nächsten Auftritt von Klaus-Jürgen Wussow in der Komödie am Kurfürstendamm. Dort kann man übrigens in nur einem Theaterstück ZDF- Vorabendseriendarsteller im Dutzend bewundern, was eine halbwegs zurechnungsfähige Überleitung für folgenden ZDF-Vorabendserien-Fun Fact ist: Aus touristischen Gründen werden in Boren, dem Drehort des neuen Wanye Carpendale-Vehikels "Landarzt" (nachdem Walther Plate bzw. das ZDF wohl endgültig erkannt hat, dass ein Arzt, der siecher aussieht als seine Patienten nicht so überzeugend ist) regelmäßig zu Pfingsten Schilder mit der Aufschrift "Deekelsen" unter anderem an Bushäuschen angebracht.
Als jemand, der erst kürzlich unter den kritischen Blicke dutzender Renter im Ohnsorg-Café einen überteuerten Brownie und einen Filtercafé aus Restbeständen von Heidi Kabels Kommunion zu sich nahm, kann ich diese Art von TV-Touristen-Bespaßung sehr gut verstehen, ja sogar lobpreisen. Wie glänzten meine Augen, als die überraschend freundliche Kellnerin in Ohnsorg-Schürze darauf hinwies, dass ein Aufenthalt im Café nur 30 Minuten lang möglich sei, da es danach als Pausenraum der laufenden Vorstellung dienen müsse. Ich nehme an, es war die letzte Vorstellung des Tages denn es war schon 16: 45 Uhr als sie dies kund tat und die letzten Nachtschwärmer unter den Senioren machten sich nach dem restlosen Verputzen ihres Diabetikergebäcks hurtig auf, den zweiten Teil eines schwachsinnigen Stückes zu sehen, dass sich erstens durch einen unaussprechbaren, angeblich plattdeutschen Titel sowie zweitens durch das ständige Auf- und Zuschlagen von Bühnentüren auszeichnete. Das ist zumindest das, was mir meine besten Freunde, die Vorurteile berichteten.
Auch auf die Gefahrt hin, mich zu wiederholen: Das Schönste an Hamburg war übrigens das Köstritzer auf einem Trafokasten an der Außenalster mit Blick auf die 5430 Hotels und Luxusbutzen, die sich dort gegenseitig langweilen. Wenn mich nicht alles täuscht, gab es auch noch berichtenswerte Fotos von der Anderen und mir vor der Raststätte Stolpe, die uns einlud mit Waschbetonfassade und zum Bleiben zwang mit 4 schlechtgelaunten Truckern im Gastraum sowie dem rätselhaften massenhaften Verkauf von Sanddornrodukten. Beim Versuch, mich daran zu erinnern, welche überteuerte Mikrowellenspeise ich dort zu mir genommen habe, wird mir mal wieder deutlich, welch schlechtes Essensgedächtnis ich habe. Erst gestern trank ich gefühlte 2 Liter Bier mit jemanden, der sich noch ganz genau an eine in der 4. Klasse verspeiste Portion Pommes mit Cola erinnern konnte. Ich kann mich höchstens erinnern wenn ich die Speise bei einer sich dem Essen anschließenden Busfahrt nochmal wiedergesehen habe.
Es empfiehlt sich übrigens nicht bei empfindlichen Magen "Milchmädchen" aus der Tube zu lutschen vor einer 7stündigen Busfahrt durch Ungarn.

Samstag, 19. Juli 2008

don´t call on me

Du weißt, dass du erkältet bist, wenn dein Wochenende daraus besteht, vage schlechtgelaunt und mit überteuerten Placebos zugedröhnt mit der Andeutung eines Riesenkopfschmerzanfalls auf der Couch zu liegen, zu träge um den Fernseher abzuschalten aber nicht geduldig genug, auch nur eine Minute IRGENDeinem Programm zu folgen (was kein Wunder ist bei Highlights wie "3 Bewerber- ein Job"), dabei zwischen verbissener Suche nach eskapistischen Internetangeboten und Selbsthass auf die vergeudete Lebenszeit schwankend. Also, ich bin erkältet. Und habe die neueste Folge von "My Life on the D-List" bzw. Martensteins Vlog (ich werde ihn solange verlinken bis gewisse Leute aus der Nachbarschaft aufhören ihn "diesen komischen Mann" zu nennen) schon gesehen, womit zwei von zwei Wochenendhighlights bereits abgefrühstückt sind, was die übliche crankyness ins schier Unerträgliche steigert. Vorhin musste ich ein bißchen Love-Parade aus Dortmund gucken um meinen Selbsthass mal auf andere zu projezieren und meine Vorurteile über die oberflächliche, idiotische Jugend von heute zu bestätigen. Grund für die Erkältung ist übrigens eine 4-stündige Bootsfahrt am gestrigen Abend unter dem Motto "roaring twenties" mit Kostümzwang, burlesker Stripperin (obwohl sie, glaube ich, lieber als "Tänzer" bezeichnet werden, was, sind wir mal ehrlich, insofern anmaßend ist, als dass Barishnikov niemals mit Perlen auf seinen Nippeln getanzt hat oder wenn er es getan hat dies zumindest für sich behielt) und einem vorzüglichen Unterhaltungskünstler, der sich selbst mit "Gestatten, alte Platten" bzw. "DJ Grammophon" vorstellte. Ich tanzte das, was ich für Charleston hielt und trug dabei mit dem, was ich für Würde hielt, ein Pailettenhaarband in Silber. Im Grunde genommen sah ich in etwa aus wie das Kind der Liebe dieser beiden Herrschaften hier:














Untenrum ging ich als übergewichtige Stripperin mit Netzstrümpfen und einem Kleidchen, was ich einst als Kostüm für die übergewichtige Schwester von Victoria Beckham herhalten musste. Diese verzweifelten Mittel waren Resultat der Feststellung, dass die Zwanziger Brüste, Hintern und Hüften mehr oder weniger abgeschafft hatten bzw. für überflüssigen Tand hielten, ein bißchen so wie heute die Hersteller von Acne-Jeans (ich spare mir den Witz mit der Parallele zur Hautkrankheit in puncto Überflüssigkeit...oder auch nicht), so dass mich eines der üblichen Kostüme wie einen Sack nasser Wäsche hätte aussehen lassen mit "tief sitzender Taille" und diesem Schwachsinn. Die Taille sitzt nicht unterm Hintern, liebe Zanziger, sie sitzt genau dort, wo sie schon immer saß. Und Schläuche mit Pailletten drauf Kleider zu nennen ist generell eine Beleidigung der Überreste meiner Intelligenz.


Du weißt übrigens auch, dass du erkältet bist, wenn du deine Hasstiraden an ein Jahrzehnt adressierst. "Scheiß auf euch, 80er! Die 90er haben dich ganz schön...äh...fertig gemacht!"


Random: Diese Stirnbänder erinnerten mich auch an ihn hier:


Random 2: Ich möchte Chet Baker heiraten. Auch wenn er tot ist und eine Kieferprothese trug. Und schwerst drogenabhängig war. Und wahrscheinlich starb, als er an der Regenrinne eines Amsterdamer Hotels hochkletterte um seine Trompete zu holen. Gerade letzteres verstärkt den Heiratswunsch immens.

Random 3: Auf der Kaffeeliste in der Nebenjob-Spaßfabrik wird eine Diskussion um meinen Kaffeeverbrauch bzw. die Farbe meiner Zähne geführt. Ich habe nur marginales Mitspracherecht. Sollte ich mich geschmeichelt fühlen (ich bin sowas wie Paris Hilton) oder mir Sorgen machen (ich bin sowas wie Paris Hilton)?

Sonntag, 13. Juli 2008

was falsch läuft

Wenn ein unterdurchschnittlich-aussehender Ex-Telefoneinbauer einzig allein aufgrund seines Dialekts und sexistischer Witze, die den Schulmädchen-Report wie ein Meisterwerk feministischer Selbstbehauptung wirken lassen, das Berliner Olympiastadion füllt, dann ist das ein sicheres Zeichen für das Nahen der Apokalypse. Um es zu präzisieren: Dieses Bekenntnis zur Einfallslosigkeit, zur idiotischen Klischeeabfeierung mit musikalischer Untermalung durch die Aushilfs-Emos von "Silbermond", die zusammen mit Tokio Hotel an einer endgültigen Lizenz zur Entmündigung der Ostdeutschen arbeiten, ist wohl das Verabscheuungswürdigste, was der deutschen Hauptstadt widerfahren ist seit Eberhard Diepgen und dem Bankenskandal.

In anderen Neuigkeiten nimmt die Mitbewohnerin stets den letzten Zug in die Heimat, was mich insofern stört, als dass ich ja durchaus schon um 23 Uhr ins Bett hätte gehen können wollen und mich das Aufschließen und Tasche in die Wohnung wuchten dann entsprechend geweckt hätte. Gut: Im Grunde genommen ertrage ich es nur nicht, alleine "Das perfekte Promi-Dinner" zu gucken, vor allem wenn es eine solch erbärmliche Runde von nicht mal amüsanten D-Promis zusammenbringt wie in dieser Woche: Der Dicke aus der Telekomwerbung, der mir nur mal kurz sympathisch war, weil er Kindern, die seine Klingel putzten, mit Kieselsteinen bewarf (erfrischend unsouverän), die Dicke aus dieser Sitcom mit Rita Köster (von der man seit dieser Hirnexplosion auch nichts mehr gehört hat...dabei könnte sie durchaus mit Mario Barth ZUSAMMEN eine Tournee machen, dann könnte man einen Flugzeugträger bespielen, den man praktischerweise nach der Show samt fehlgeleiteten Publikum mittels Kampfflugzeugen versenken könnte), die erste Schwester Stefanie, dich offensichlich in Lichterfelde wohnt sowie einem mir bis dato völlig unbekannten Schauspieler, der irgendwann mal durchs Bild lief in "Die Wicherts von nebenan".
Fun fact: Die von Claudia Schmutzler (Claim to faim= Jaqueline in "Go, Trabi Go!") dargestellte zweite Stephanie in "Für alle Fälle Stefanie" wurde extra anders geschrieben, damit die Zuschauer einen Anhaltspunkt für die Unterscheidung der Rollen hätten. Es wäre sonst auch wirklich zu schwer gewesen:
Stefanie :

Stephanie:
Es sind praktisch Zwillinge. Um Gefahr der Verwechslung endgültig gegen Null zu fahren, wurde die dritte gutherzige Krankenschwester der Serie direkt Fanny Stefan genannt.

Ich nehme an, Mario Barths Gagschreiber zeichnen sich auch für diesen Geniestreich verantwortlich.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Arbeit ohne Geld, niemals, niemals!

Dieses schöne Nachlader-Zitat widme ich der Mitbewohnerin, die nach einem Monat als freiwilliger UEFA-Sklave bei der Fußball-EM zurückgekehrt ist mit einem Lohn namens "eventuell ein Abschiedsgeschenk, aber ich glaub nicht dran". Ansonsten ist der Kobold der Verkehrtheit alias die liebe Kommilitonin S. inzwischen Leserreporterin geworden, nicht anders erklärt sich mir, warum sie Hansemann aus der Lindenstraße in der U-Bahn fotografiert (ich meine das anerkennend):



Weitere Wochenhighlights: Beth Ditto live gesehen und zum persönlichen Idol erklärt.




Bis Samstag abend muss ich noch versuchen, den Text meines neuen Lieblingslieds zu lernen, ich möchte Frau Caroline damit beeindrucken, wenn wir zusammen elektronische Musiker anstarren. Auszug: "Und wenn du denkst, du kannst es besser, dann geh doch nach Hause. So siehts aus!" Passend dazu das größte Kompliment, dass mir die Professorin, bei der ich heute ein Referat hielt, jemals machen wird: "Da haben Sie nicht ganz unrecht."

Dienstag, 24. Juni 2008

Words of wisdom

Harry Rowohlt über die Lindenstraße:

An der “Lindenstraße” gefällt mir......erstens, dass sie die einzige Fernsehserie ist, die genauso fad ist wie das Leben; zweitens, wie eine amerikanische Freundin mal sagte: “A soap opera with ugly people I can identify with”; drittens, dass man, obwohl es im Gegensatz zu “Bonanza” oder “Die Leute von der Shiloh Ranch” so gut wie nie zu einer Schießerei kommt, ständig um das Leben des Personals fürchten muss.
Jemandem, der die Serie noch niemals gesehen hat, würde ich “Lindenstraße” so beschreiben: Entweder die deutsche Version von ‚Coronation Street‘” oder “Proleten-‚Dallas‘”.


Erich Wiedemann in CICERO in seinem großen Stefan Aust-Stück, das sich irgendwie nicht zwischen Abrechnung und Anbiederung entscheiden kann:

Frau Aust kommt raus auf die Terrasse. Sie will wissen, wo er die Einkäufe hingestellt hat."Sie sind in der Plastiktüte in der Küche.""Bist du heute Abend da?""Nein, ich fliege nach München.""Dann fahre ich nach Sylt." Kathrin und Stefan Aust sind moderne, autonome Eheleute.


So sehen morderne, autonome Eheleute aus:



Stefan Austs "persönliches Hobby" ist laut wikipedia übrigens der Betrieb eines Reiterhofs mit Hannoveraner Gestüt in Armsdorf bei Stade. Bleiben zwei Fragen offen: 1. Darf man auch lustige Pferdeferien bei Stefan machen wenn man den FOCUS liest? 2. Gibt es so etwas wie unpersönliche Hobbies? Harry Rowohlt hat für sowas jedenfalls keine Zeit, meint er.

Samstag, 21. Juni 2008

Wochenparole

"Alte Zausel, Indieboys, Neocons, Mutanten, junge Spießer, Pradafrauen und ihre Anverwandten, höhere Töchter, bessere Söhne und eure ganze Schicht. Ihr denkt, ich kann euch leiden, aber ich verzeih euch nicht" Britta, "Menschenfeind"

Mittwoch, 18. Juni 2008

Youtube, Gespenster, whatever

Während der Rest Europas ein paar Dutzend verschwitzten, reichen jungen Männern beim Ballspiel zusieht, habe ich es seit ein paar Tagen mit etwas wichtigerem zu tun: Ich teile die Wohnung mit einem Poltergeist. Entweder das, oder die polnischen Bauarbeiter, die inzwischen 2jähriges Jubiläum der Wohnungsrenovierung über uns feiern dürften, planen zu ihrer Belustigung die Beschleunigung meines endgültigen geistigen Ruins und verstecken sich ab und zu im Wandschrank um dann folgende mysteriöse Vorkomnisse zu initiieren:
1. Der Griff vom Badfenster, der abgegangen ist (und ja, irgendwann ruf ich die Hausverwaltung an um das reparieren zu lassen, bis dahin nenne ich es einfach "Sommerfenster" oder so) und den ich morgens neben das Fenster gelegt habe, steckt abends wieder dran. Auch lässt sich das Fenster nach einer Woche erstmals wieder schließen.
2. Nächster Tag: Beim Nachhausekommen liegt das Nackenkissen (eine Mischung aus Herz und Hintern in der Formgebung, priceless für Haartrockenhaltungsaufgaben beim Vollbad), das normalerweise auf dem Wannenrand liegt und maximal in die Wanne rutscht in der Mitte des Badezimmers. Es starrt mich irgendwie vorwurfsvoll an bzw. so als wolle es sagen es sei von einem Poltergeist benutzt worden.
3. Der Topf, den ich mit Sicherheit von der heißen Herdplatte genommen hatte, steht beim neuerlichen Betreten der Küche vorwitzig siedend auf der Platte, die ich längst ausgestellt hatte.
4. Die Stehlampe ist durchgebrannt, ich mache den Klemmspot am Schreibtisch an und widme mich daraufhin stundenlang der Couch, dem TV-Gerät und dem Internet, wie sich das gehört für eine dumpfe Arbeitsdrohne in akademischer Hoffnunslosigkeit nach Feierabend. Nach stundenlangen Gestarre in die eine Zimmerecke drehe ich mich zur Lampe um um festzustellen: Die Stehlampe brennt, dafür ist der Klemmspot aus und ich will verdammt sein, wenn es eine meiner unfraglich existenten 54 Parallelidentitäten war, die an den Birnen schraubte oder ähnliches.
Also Übersinnliches. Ich habe keine Angst, schließlich habe ich Ghost Hunting mit den schlechteren Spice Girls namens Girls Aloud gesehen und weiß von self proclaimed Ghost Hunting Extraordinaire Yvette Fielding, dass man Geistern nur mit einem beherzten "Do you know you are dead?" begegnen muss, dann erinnern sie sich wahrscheinlich, dass sie eigentlich beim Gespensterbingo bzw. Knochenbowling sein müssten und verziehen sich.

Auch bin ich eigentlich überzeugt davon, dass das sowas wie Casper, der freundliche Geist ist, der hier wohnt, was mich zu Christina Ricci machen würde und das wiederum heißt, dass Casper in mich verliebt wäre und wir irgendwann zu einem schmalzigen Disneysong auf einem Schulball tanzen müssten, wobei er in Menschengestalt aussieht wie der anämische Stiefsohn des alkoholkranken Schulhausmeisters:

Ich persönlich möchte, dass dabei dieses Lied läuft:

Echte Geister gibts übrigens höchstens hier, ich glaube, die tolle Beth Gibbons ist nicht von dieser Welt. In a good way.

Dienstag, 3. Juni 2008

Ich bin immer noch dagegen.

In meiner Tätigkeit als unterbezahlte Kampagnen-Ausdenk-Prostituierte der Marktforschung standen gestern erneut 3 Stunden meines Lebens an, die mir niemand zurückgeben wird und deren Bezahlung lächerlich erscheint, macht man sich die 180 Minuten des Gefühls bewusst, das außer mir wohl nur Shilo Jolie-Pitt nachvollziehen kann: "I was the odd one out!".
Es ist nicht schön, in einen Raum voller Pauls und Kittys (diese Namen sind NICHT frei erfunden, außer natürlich von ihren Eltern) zu kommen, die wirken, als seien sie für einen Imagefilm Berlins zusammengecastet worden: "Freie Promoterin im Filmbereich", "Doktorandin der Musikwissenschaft", "angehender Tonmeister", "Musikerin", natürlich alle aussehend und gestylt als seien sie aus einer American Apparel-Umkleidekabine gezerrt worden, also irgendwie subtil pornographisch. Das sind nicht meine Worte, so beschrieb die freie Eventlady die Werbung dieser Firma, womit sie völlig richtig liegt. Der einzige Mensch mit einem richtigen Beruf (Erzieher) konnte leider weder "Idyll" noch "traditionell" richtig schreiben, beide Male vezichtete er auf ein "L", was ja nicht so schlimm gewesen wäre, wenn er sich nicht extremst gut mit Parfüm-Print-Werbung ausgekannt und Matthew McConaughey für einen "coolen Surfer-Typen" gehalten hätte und nicht den kiffenden Nacktbongospieler in ihm erkannt hätte, der jener ist. Es hätte mich im Grunde genommen schon stutzig machen müssen, dass ich die einzige war, die auf die rauchverhüllende Geruchswirkung des zu diskutierenden Kaugummis einzugehen verstand. Allen anderen war das "noch nie aufgefallen", schließlich sind sie alle kleine Fitness-Freunde, die rauchen Bäh finden, Red Bull für das Sponsoring "echter Underground- Events, also jetzt wirklich UNDERGROUND" loben und Traubensaft kaufen weil sie da "manchmal so Bock drauf haben, nicht wegen Durst". Ich trinke manchmal auch ohne Durst zu haben, dann aber eher keinen Traubensaft. Zum Schluss noch der Tagesaufheiterer aus der Auslage des U-Bahnzeitungshändlers, die ich heute ausgiebig studierte als sich die U-Bahn wegen einer "erkrankten Person im Wagen auf unbestimmte Zeit" verspätete, was die herzensguten Berliner dazu brachte, erst lauthals über die Berliner Verkehrsbetriebe und dann über diesen Egoisten mit Herzanfall im Berufsverkehr zu schimpfen.

Die Mitbewohnerin, welche sich diesen Monat gratis beim darbenden, kleinen Fußballverband UEFA verdingt, wird froh sein, dass nun nicht sie in das überdimensionale Hühner-eske Kostüm steigen muss. Wobei: Stehen würde es ihr wahrscheinlich und so könnte Luca Toni sie auch später nicht identifizieren wenn es um den Überfall auf ihn im Entmüdungsbecken geht.

Sonntag, 25. Mai 2008

Can´t tell me nothing

Oft denke ich, dass ich einfach niemals die Möglichkeit hätte kriegen sollen, frei über Geld zu verfügen bzw. alleine zu leben, so z.B. wenn ich wie momentan einen Sonntag in Unterwäsche auf dem Bett sitzend verbringe in der Hoffnung, beim Gang zum Bad nicht allzuviele Chipskrümel an die Füße zu kriegen, dabei nach Nasenoperationen google und kurz davor bin, mir für 70 Euro einen Blumenstrauß SELBST zu schicken aus purem Neid auf Miaudonna, die soeben einen wundervollen anonymen Fleuropstrauß erhielt. Gut, er ist wahrscheinlich vom schrecklichsten Menschen der Welt sein, wie sie liebevoll diese Ex-Geschichte nennt, und er wird ihn ihr wahrscheinlich auch nur als eine Art Geldersatz für sexuelle Gefälligkeiten, die er sich ERHOFFT, geschickt haben, aber trotzdem: Ein Blumenstrauß ist ein Blumenstrauß. Und ich will nicht hören, dass ich auch schon mal Blumen gekriegt habe, das zählt alles nicht wenn man verkatert in einem dreckigen Zimmer sitzt, von dem man sich wünscht, jemand würde es für einen putzen während man wie jeden Sonntag dringende Uniarbeit vor sich her schiebt.
Anyway. Kurzzeitig überlegte ich, die anstehende Reise nach NY, die ich deswegen so zwanghaft erwähne, weil sie das interessanteste an einem Leben zwischen Bett, Schreibtisch, Internet und Fahrten in die Heimat, bei denen man penetrant gefragt wird, wann man das Studium abschließen wird, was einen in Erklärungsnöte bringt und für dringenden Ablenkungsbedarf in Form von Wodkabowle sorgt, ist, mit einer kleinen Nasenoperation zu verschönern, alleine deswegen, weil das in den USA ungefähr den Stellenwert einer Grippeimpfung hat, medizinisch gesehen. Dann aber dachte ich, dass es wahrscheinlich erstens nicht so klug wäre bandagiert wie der Elefantenmensch auf meinen Erinnerungsfotos aufzutauchen (schließlich würde ich die Begradigung der jetzigen Kartoffel als "Zauberei" ausgeben wollen) und zweitens man sich zwei Wochen nicht schnäuzen darf nach so einer kleinen Gesichtsmeißelei, weil das Kunstwerk sonst abfallen könnte und was soll ich sagen: Das einzige, was peinlicher ist, als nach einem Urlaub die neue Nase zu erklären ist wohl, nach einem Urlaub zu erklären, dass man überhaupt keine Nase mehr HAT. Michael Jackson weiß wovon ich spreche.
In anderen Neuigkeiten wurde ich kürzlich Zeugin der Zerstörungsarbeit jugendlicher Delinquenten:









Ja, die schöne blaue Bank, die den Hinterhof so einladend für asoziale Grillparties machte, bei denen gerne mal Verlängerungskabel aus der Wohnung über uns in den Hof geschmissen werden, natürlich nicht ohne dabei fast UNSERE Küchenfensterscheibe zu zertrümmern, wurde von einem kriminellen Kinderpaar in seine Einzelzteile zerlegt. Ich glaube, es ist nicht zuviel verlangt, vom Berliner Senat einen Preis für Zivilcourage zu fordern weil ich, ohne groß nachzudenken, das Geschehen aus 30 Meter Distanz fotografierte und in einem anonymen Blog dokumentiere.

Ich muss jetzt weiter nach Morphingsoftware suchen um mir meine Traumnase anzubasteln, zumindest online. Bis dahin viel Vergnügen mit meinem neuen Lieblingslied, es soll auf meiner Beerdigung gespielt werden, unter anderem deswegen, weil es einst von den herrlich verzogenen sehr jungen Kindern Larry Kings gesungen wurde während eines Interviews mit dem Dinosaurier des desinteressieren CNN-Talks. "I live for these arkward situations.", um es mit den Worten Kathy Griffins zu sagen:

Sonntag, 18. Mai 2008

Ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans.

Wenn man ein Seminar zu Fernsehtheorien besucht und dort hört, das Fernsehen habe ein Problem mit seiner Ausrichtung auf die jugendliche Zielgruppe, weil diese es angesichts von Verpflichtungen wie Freeclimbing, Gras rauchen, S-Bahn-Surfen, kleineren Diebstahldelikten, Festen in Abbruchhäusern, Crackdealereien und der Pflege inzestiöser Cliquen nicht schaffe, rechtzeitig Germanys Next Top Model oder MTV einzuschalten, wird man nervös, denn schließlich hat man selbst sehr wohl Zeit gefunden, genauer gesagt die meisten Wachphasen seit dem sechsten Lebensjahr dazu nutzen können, eine profunde Programmkenntnis zu entwickeln, die einem so leider erstmal nur nützt, wenn man bei der irgendwie traurigen Show "Wer hat´s gesehen?" antritt, wo man mit anderen Leuten, die ihre Jugend dem Fernseher geschenkt haben darum wetteifert, sich weiter in die televisuelle Sucht zu treiben, also ein Heimkino-System zu gewinnen. Die fatale Affäre mit der Kathodenstrahlröhre ist es, die mich dazu bringt, das für meine Verhältnisse atsronomische Sümmchen (siehe: Knietief im Dispo), dass ich zu meinem Geburtstag als Ausschüttung aus der feministischen Errungenschaft namens Töchternversicherung erhielt (Ja, es klingt wie aus einem Sat1- Wochenfilm mit Jeanette Biedermann, in dem die herzensgute und natürlich arme Spätverkaufsverkäuferin von einem heimlich in sie verliebt seienden Lottospieler mit Raucherbein Unsummen erbt, woraufhin sie ihren Traum von der eigenen Salsatanzschule auf Kuba wahrmachen kann...jetzt wo ich es schreibe, glaube ich, diesen Film gibt es tatsächlich und verfluche mich einmal mehr für die TV-Sucht) in einen mehr oder weniger spontanen Trip nach New York City zu investieren, wobei ich im Grunde genommen natürlich davon ausgehe, direkt in einer Episode von Seinfeld zu landen. Alles andere würde mich enttäuschen, wobei ich natürlich auch so ziemlich jede andere TV-Serie meines Vertrauens dort vorzufinden gedenke:



Das Hotel meiner Wahl, dass sich dazu nicht nur qualifizierte, weil die Toiletten im Gegensatz zu anderen als "Budget-Facilities" beschriebenen Etablissements NICHT drohen, durch die Decke zu fallen, befindet sich in der Nähe dieses netten Hauses, dass ich bisher nur aus den Zwischentiteln von "Veronicas Closet" kenne (ich mochte es, als ich noch nicht wusste, dass Kirstie Alley Hardcore Scientologin ist):






Und wie großartig wird es sein nach einem dem Appetit anregenden Morgenspaziergang von 6,6 Meilen (für ein Hotel mit Frühstück hätte die Reise leider budgettechnisch auf einen Tag verkürzt werden müssen, was ein bißchen doof ist, wenn man 9 Stunden fliegt) dort zu frühstücken, wo George Costanza mein Lebensmotto erfand: "It´s not a lie if you believe it!"










Und ja, ich werde vor diesem Haus herumlungern in der psychotischen Annahme, Monica, Ross, Rachel, Joey und vor allem Chandler Bing zu treffen. Phoebe Buffay brauche ich nicht, der bin ich angeblich selbst irgendwie ähnlich (musste noch jemand außer mir immer die "weirdo"-Charaktere annehmen wenn man sich im Freundeskreis darüber austauschte, wer wer wäre? Mein persönliches Highlight war es, stets Andrea Zuckermann sein zu müssen wenn im Sportunterricht in der Grundschule das Best Of "Beverly Hills 90210" nachgestellt wurde. Und dabei hatte ich damals noch nicht einmal eine Brille. Und ich habe mich auch nie so unsympathisch dem Klassenschönling an den Hals geworfen wie Andrea sich Brandon darbot.).








Außerdem plane ich, Chris Noth in seinem Club zu stalken...das könnte insofern problematisch werden, als dass er, wenn man gawker glaubt, erstens total cholerisch und zweitens schwul ist. Da ich beides aus meinem persönlichen Bekanntenkreis kenne (auch in jener Kombination, I mean that in a loving way), glaube ich aber dennoch, dass wir möglicherweise so gut miteinander auskommen könnten, dass er mir mal genauer berichtet, wer mit wem lesbisch war und ist bei Sex and the City und warum das Fantasma homosexueller Drehbuchautoren (inklusive Hinternsexfixierung und Schuhfetisch) so einschlagen konnte bei Frauen, die seitdem Shoppen für einen Akt sexueller Befreiung halten und Körperbehaarung für eine Strafe Gottes.


Höhepunkt der Reise in meine TV-Vergangenheit (und dank Kabel eins auch TV-Gegenwart, let´s face it) wird aber definitv das Pilgern zu dieser Location sein, die sich glücklicherweise nicht wirklich in Brooklyn befindet, wie uns Heathcliffs Sippe stets weismachen wollte um die Weißen Fans vom Besuch seines Hauses abzuhalten (oder etwas weniger rassistisches):





Ja, es ist das Heim der Huxtables, wo Cliff und Claire sich permanent unangebracht vor den Kindern anmachten, Cliff Wollpullover trug, die aussahen als wäre ein Vogel darauf explodiert, Rudy vom niedlichen Kind zur nervigen Bratze wurde, Vanessa stets die nervige Bratze blieb und Theos Faulheit Dyslexie genannt werden musste, damit die Ehre der Akademikereltern gerettet blieb. Ich werde klingeln und wenn es nicht schnarrt und ich einen Stromschlag kriege, werde ich traurig sein.

Dienstag, 13. Mai 2008

Ich bin dagegen.

Die Marktforschung, die mich gerüchtehalber für eine "Medienexpertin" hält, lud mich kürzlich ein in meiner Rolle als Auskennerin darüber zu schreiben, was ich so lese und kaufe im Internet. Auch solle ich mal beschreiben, welche Marken mein Lebensgefühl am Besten träfen. Ich musste lange überlegen, bis ich diesen Eintrag verfassen konnte:





Medienexpertise for starters



Mein Name ist definitiv NICHT Constanze Rick, ich besitze auch kein Macbook, auf dem ich versonnen aus falschen Fernsehstudiofenstern schauend herumhacke während ich am Sonntag abend um 22:10 bei Vox Promitratsch verbreite, der bereits seit einer Woche online nachzulesen ist. Womit auch schon beschrieben ist, was ich Nicht-Rick im Internet so treibe: Ich lese zum Beispiel sehr gern die Zelebritäten-Blogs von Perez Hilton und Michael K. (dlisted.com) aber auch das Online-Angebot der schamlosen Schwestern der BILD, der Sun und des daily mirrors. Wenn ich mich wie eine britische Trümmerfrau fühlen möchte, lese ich die online Ausgabe der Daily Mail, wo Diana noch immer eine Schlagzeile wert ist und alle unter 50 erstmal grundsätzlich aller Schändlichkeiten des Planeten verdächtigt werden, noch dazu, wenn sie Kapuzenpullover tragen.Wegen seiner ausgesprochen angenehm-undeutschen snarkiness ist auch das New Yorker Medienklatsch- Imperium von Gakwer inzwischen tägliches Pflichtprogramm, zumindest gawker.com. jezebel.com und defamer.com, auch wenn ich ihnen nie verzeihen werde, dass sie das schreibende Toffeebonbon Julia Allison promotet haben. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich einmal am Tag auch auf der online Ausgabe des Tagesspiegel gucke, was in der Stadt passiert, in der ich wirklich lebe und nicht nur in denen, in denen ich leben möchte, wobei das eigentlich meine große Verehrung für die Heimat des sympathischsten Schnaps-Schlagersängers aller Zeiten Harald Juhnke unter den Teppich kehrt. Also, wenn Lebensgefühl, dann Berlin. Klingt platt, ist aber so. Fühlt sich an wie...in der Mittagspause zwischen B-Promis zu sitzen, sie ignorieren um dann zusammen die Touristen zu verachten. Komisch, dass es diese Beschreibung nicht in die neue Markenkampagne unter dem tollen Slogan "Be Berlin" gebracht hat, womit ich hiermit geschickt übergeleitet hätte auf den letzten Teil der heutigen Frage: Marken: above and beyond. Ich würde mich gerne sehen als jemanden, der relativ abgeklärt ist gegenüber irgendwelchen Strategien, über Marken ein Lebensgefühl zu verkaufen. Bin ich aber wohl definitiv nicht, zumindest habe ich das letzte Woche gemerkt, als ich die soeben gekauften Tommy Hilfiger Schuhe (mit wundervollem Keiabsatz und Schleifen an der Hacke um die von unpraktischen, aber wunderschönen anderen Schuhwerk verschrundeten Füße zu verhüllen) sofort umtauschen wollte, feststellte, dass ich dafür nur einen Gutschein kriege und dann die Möglichkeit in Betracht ziehen musste, ein Hilfiger Shirt oder etwas in der Art zu erstehen. Das passt nun wirklich NICHT zu mir: Segel -und Surfingwear für Menschen, die in Tarifzone B wohnen, damit sie es nicht soweit zum Pferd bzw. zum Boot haben: Ich habe nichts gegen sie, aber ich bin keine von Ihnen. Dann lieber mit Flatrate und flatshoes in Tarifzone A.Zum Schluss noch ein Bild der wundervollen Schuhe, die mich laufen lassen wie Amy Winehouse auf Entzug und die ich deshalb schweren Herzens zurückgeben muss:





In meinem echten Blog kann ichs ja sagen: Ich habe sehr wohl was gegen Menschen in Tarifzone B mit eigenen oder Mietpferden und eigenen oder Mietbooten, die sich mit hochgestellten Hemdkragen und perfekten Pferdeschwanzfrisuren (bei den Frauen, die Männer bevorzugen Gel) am Wochenende aufmachen ins Regina Regenbogen-Land, in denen Papas gute Verbindungen schon immer wichtiger waren als rudimentäre soziale bzw. grammatikalische Qualifikationen. In diesem Zusammenhang sollte ich erwähnen, dass einer der anderen Blogteilnehmer denkt, sein Moped sei von "Simpson". So machtvoll der Wunsch zur Persönlichkeitsschmückung mittels DDR-Folklore auch sein mag: Homer Jay war nun wirklich kein Genosse. Und American Apparel gut zu finden "weil die irgendwie nett zu ihren Angestellten sein sollen" ist auch nicht mehr wirklich state of the art.